El Desierto de la Tatacoa – Wo die Sterne die Erde küssen

Das Geheimnis zufrieden zu altern, liegt einzig und allein darin,
sich mit der Einsamkeit anzufreunden.
                                                                                   – Gabriel García Márquez                                                                                              

Die erste Busfahrt in Kolumbien: Wow – die haben ja Wlan im Bus. Verrückt. Denn sonst funktioniert nichts. Die Klimaanlage ballert bis zum gefühlten Gefrierpunkt und die Fahrt ist lang, sehr lang. Wir brauchen statt der geplanten sechs Stunden von Bogotá nach Neiva, acht Stunden. Problem: Ich muss umsteigen und verpasse den letzten offiziellen Kleinbus in die Wüste um eine halbe Stunde. Beim Aussteigen aus dem Bus kommt mir nicht nur die Hitze Kolumbiens entgegen, sondern auch einige Taxifahrer, die mich zu horrenden Preisen in die Desierto de la Tatacoa fahren wollen. Es fährt ja kein Camionette mehr. Denkste. Weiter entfernt auf dem Parkplatz steht noch ein Kleinbus, der fährt. In dem 9-Sitzer lerne ich direkt zwei junge Kolumbianerinnen kennen. Im Stockdunkeln fahren wir für weitere 90 Minuten ins Nirgendwo und steuern die Unterkunft Noche de Saturno an. Doch alle Betten sind belegt. Es gibt nur noch Hängematten für umgerechnet 4 Euro die Nacht. Warum nicht? Nachdem ich sofort dabei bin, folgen mir die beiden Kolumbianerinnen. Mittlerweile ist noch ein befreundetes Pärchen von den Mädels eingetroffen und jetzt fühle ich mich wirklich wie die Mama. Wie alt sind die denn? 18? 20? Auf jeden Fall scheinen sie die erste große Liebe zu genießen – „mi amor“. Aber sie haben Bier dabei und laden mich direkt auf eins ein. Zu fünft gehen wir dann noch unterm Sternenhimmel in der Dunkelheit spazieren bevor wir in unsere Hängematten fallen. Seit Jahren habe ich keine komplette Nacht mehr in der Hängematte verbracht und war etwas skeptisch. Doch: Ich liebe es! Schlafen unterm Sternenhimmel mit einem sanften Schaukeln und morgens von den ersten Sonnenstrahlen geweckt zu werden – einfach wunderschön.

Erster Eindruck bei Tageslicht

Es klappert in der Wüste

Der nächste Morgen. Irgendwie scheinen in der Unterkunft nur kolumbianische Familien zu sein. Ist ja auch Wochenende. Die Backpacker, die hier sind, reisen gerade ab. Na prima. Ich lese noch mal den Lonely Planet durch, der ausdrücklich empfiehlt sich einen Guide zu nehmen, weil man sich in der Wüste verlaufen könnte. Bei meinem nichtvorhandenen Orientierungssinn ist das ja schon mal vorprogrammiert. Noch mal: na prima. In dem Moment kommen die frisch gestylten Kolumbianerinnen aus der Dusche. Sie fragen mich, ob ich mit ihnen ein Fahrrad leihen möchte. Glaube, die haben was Mitleid mit mir. Egal. Warum nicht? Also mieten wir uns Fahrräder. Allerdings sind uns die Supermountainbikes von Noche de Saturno zu teuer. Wir gehen ein paar Häuser weiter und bekommen da für einen Bruchteil klapprige Drahtesel ohne Gangschaltung, die ihre besten Jahre schon hinter sich haben. Aber sie funktionieren und los geht´s. Bei 42 Grad Hitze strampeln wir klappernd durch Kakteenfelder und Schotterpisten bis wir zum Endpunkt kommen: einen hochgepriesenen Swimmingpool. Ich dachte hier an kleine Wasserfälle im Naturbecken, doch stattdessen schauen wir auf ein Betonbecken in dem kreischende Kolumbianische Teenies „Krieger“ spielen. Wir sind uns direkt eingig nicht in das dreckige und überfüllte Becken zu springen, lassen es links liegen und gehen dahinter durch die Felslandschaft. Die ist so beeindruckend, dass sie uns die Hitze, die uns immer mehr zu schaffen macht, vergessen lässt. Dann heißt es Zähne zusammenbeißen und die acht Kilometer in brütender Mittagshitze wieder zurückradeln. Einfach geradeaus, den einzigen eingezeichneten Weg entlang. Und dafür hätten wir viel Geld für einen Guide bezahlen sollen? Verschwitzt und mit hochroten Köpfen aber total happy kommen wir im Noche de Saturno an. Wir chillen im Hostelgarten, bis sich die Kolumbianer verabschieden müssen. Ich bleibe noch eine Nacht, denn ich möchte den Sonnenuntergang, den ich am Tag zuvor verpasst habe, noch sehen. Außerdem gibt es hier eine Sternenführung von einem Astrologen. Allerdings hat die komlumbianische Großfamilie mittlerweile das ganze Anwesen in Beschlag genommen und mit überdiemensionalen Schnullerballons und in blau dekoriert. Dazu kommen Störche, Lätzchen und es gibt sogar einen dekorierten Tron. Oh no – Babyshower at its best!!! Keine Lust drauf. Deshalb beschließe ich, das Hostel zu wechseln. Es soll ein sehr schönes Mitten in der Mitte der Wüste geben. Schnell organisiere ich einen Fahrer, der mich auf seinem alten Mopet mitsamt meinen beiden Rucksäcken dorthin bringt. Er kann allerdings nicht verstehen, warum ich so weit außerhalb schlafen möchte. Ich mache mir über seine Kommentare keine Gedanken. Doch da zu meinem nichtvorhandenen Orientierungssinn auch ein nichtvorhanderner Sinn für Distanzen hinzukommt, hatte ich keine Ahnung wie weit zwei Kilometer sein können.

Die graue Wüste

Sonne, Mond und Sterne und dazu ne Ziege

Das Peñon de Constantino ist wirklich sehr schön. Mitten im Nichts hat da jemand eine kleine Oase gebaut. Inklusive Natursteinpool mit einer atemraubeneden Aussicht. Doch diese Idylle kostet Schweiß. Das Hightlight der Desierto de la Tatacoa ist der Sonnenuntergang von einer Aussichtsplattform aus gegenüber dem sogenannten Oberservatorium, wo im Anschluss einen Sternenshow stattfindet. Und dahin sind es 45 Minuten zu Fuß, bei immer noch circa 40 Grad. Doch die Leute in der Wüste sind sehr nett und hilfsbereit. Stell dich also einfach auf dumm, lächle ein bisschen verlegen und frag einen Rollerfahrer, die hier alle paar Minuten vorbeituckern, nach dem Weg. Zack, sitzt du auf dem Gepäckträger und er freut sich, eine Touristin zu ihrem Wunschziel zu kutschieren. Hat sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg geklappt. So, und jetzt wird es wieder melancholisch. Sonnenuntergänge. Das erste Mal so ganz alleine. Puhhhh. Ich hole mir in dem kleinen Restaurant am Aussichtspunkt ein kaltes Bier und suche mir abseits der Touri-Foto-Knipser einen Platz auf einem Felsvorsprung. Das Naturschauspiel was ich hier erlebe ist unglaublich schön und ich versuche das für mich zu genießen. Funktioniert ein bisschen. Dann ist die Sonne weg und es ist dunkel. Hunger! Ich gehe zu dem Restaurant direkt gegenüber vom Observatorium, und bestelle das einzige Essen, das es da gibt. Eines der besten das ich bis jetzt hatte. Hier gibt es die Spezialität der Tatacoawüste – frisch geschlachtete Ziege. Megalecker. Eine weitere Travellerin sitzt alleine vor dem Restaurant und isst das Menu del día während sie die Landschaft genießt. Ich setze mich zu ihr und binnen Sekunden sind wir in ein tiefes Gespräch verwickelt. Sie kommt aus Frankreich und reist bereits seit acht Monaten durch Lateinamerika. Und das ist einer der Augenblick in dem ich begreife, was das Alleinereisen so wertvoll macht: Die Begegnungen mit speziellen Menschen, die man sonst nie kennengelernt hätte. Es sind die Menschen, die einem innerhalb von Minuten vertrauter sind, als manch langjähriger Bekannter. Da die Französin die Sternenshow bereits am Vorabend gesehen hat, tauschen wir noch schnell Nummern aus und verabreden uns für den nächsten Tag. Denn wir haben das gleiche nächste Ziel: San Augustin.

Sonnenuntergang in der roten Wüste

Walking on the milky way

Doch davor gehe ich in das ObservatorioAstronómico de la Tatacoa. Hier warten bereits zahlreiche andere Traveler, die sich der Sterne kundig machen wollen. Ich freue mich schon sehr darauf. Schon als kleines Kind liebte ich die Sterne. So sehr, dass meine Mutter vor dem Schlafengehen jedes Mal mit mir auf den Balkon musste um Sterne zu gucken. Doch in Deutschland kann man die bekanntlich ja nicht jede Nacht sehen. Deshalb zeigte meine Mutter jedes Mal auf eine entfernte Straßenlaterne und erzählte mir vom Polarstern – schlaue Mama. Hier in der Desierto de la Tatacoa bekomme ich nun den wirklichen Polarstern zu sehen, eine Millionen etliche anderer Sterne und zum ersten Mal in meinem Leben ist die Milchstraße für mich zum Greifen nah. Fast genauso beeindruckend wie der sternenklare Nachthimmel ist der überdimensionale Laserpointer des Astrologen, der wie ein riesiges Star-Wars-Laserschwert die Sterne stupst. So sehr sogar, dass diese direkt vom Himmel fallen. Wir haben großes Glück sehen eine Sternschnuppe nach der anderen. Nach etwa zwei spannenden Stunden darf jeder noch durch ein riesiges Teleskop gucken. Hier in der Wüste zu bleiben hat sich also sehr gelohnt. Zurück im Peñon de Constantino falle ich sehr glücklich in die Hängematte und schlafe bis ich am nächsten Morgen von einem Jucken geweckt werde.

Kaktus in sternenklarer Nacht

 Plötzlich bin ich das Sams

Ich schaue auf meine Füße welche voller roter Punkte sind. Shit. Moskitos. Doch ich kann keine wirklichen Einstichstellen sehen und irgendwie sieht das anders aus. Dann schaue ich auf meinen Arm und muss direkt an das Sams mit den Wunschpunkten denken. Was ist das denn? Na toll, ich bin ich die trottelige Touristin, die mit Stichen übersäht ist. Doch im nächsten Hostel in San Augustin sorgen diese Stiche für regen Gesprächsstoff. Es wird spekuliert und gerätselt was das sein könnte, bis ich im Internet einen Eintrag finde, dass es in der Desierto de Tatacoa von Sandflöhen wimmelt. Hätte ich das mal vorher recherchiert, dann hätte ich Babyöl mitgenommen. Denn vergesst Mückenschutz und Deet, das einzige Mittel um Sandflöhe abzuwehren ist Babyöl. Habe ich von einem Einheimischen auf Caye Caulker gelernt. Naja, zum Glück gingen die roten Punkte so schnell weg wie sie gekommen sind und ich habe dadurch neue Leute kennengelernt.

Ausblick am Morgen

 

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